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Archive für 30.10.2011
Spiel 2011 - ich bin enttäuscht …………. von mir - das Messefazit
30.10.2011 von Thomas.
Wie jedes Jahr lasse ich mir ein paar Tage Zeit mit meinem Fazit, um das Erlebte erst einmal sacken zu lassen. Jetzt wird es aber Zeit für ein Fazit der Spiel 2011, weil sonst kann ich es ja direkt mit einem Vorbericht für die Messe 2012 verbinden.
Persönliche “Leistung”:
Da plane ich bereits Wochen vorher, z.B. was will ich mir anschauen und was blind kaufen, und laufe dann auf der Messe herum wie ein aufgeschrecktes Huhn. So planlos bin ich seit Jahren nicht mehr durch die Hallen gelaufen. Manche Stände habe ich mir wahrscheinlich 3-4 mal angeschaut, andere dagegen leider total ignoriert. Man sollte meinen, dass bei 5 Tage Messe es eigentlich möglich sein sollte, sich entspannt alle Hallen und dort jeden Stand in Ruhe anzuschauen. Daran bin ich dieses Jahr jedoch kläglich gescheitert.
Auch in der Disziplin “Testen/Probespielen/Erklären lassen” habe ich dieses Jahr nicht geglänzt. So wenig habe ich lange nicht mehr gespielt; das letzte Mal war vor Jahren, als wir nur zwei Tage auf der Messe waren. In der Disziplin “Quatschen/Kontakte” konnte ich dagegen dieses Jahr Bestwerte erzielen. Das Spielen wird sowieso total überschätzt.
Es macht schon sehr viel Spass, sich mit den Verlagsmitarbeitern, Autoren, Grafikern, Presseleuten und Spielern über die Neuheiten, das Thema Spielen im Allgemeinen und bei guten Bekannten auch über andere Themen auszutauschen. Dieser Bereich wird auch für mich immer wichtiger. Trotzdem erhalte ich in der B-Note insgesamt nicht unbedingt Höchstnoten. Deshalb ist mein Ziel für das kommende Jahr: Ich möchte mir wieder alle Stände anschauen (wie füher), vielleicht doch das eine andere Spiel mehr testen und dieses Herumirren durch die Hallen ein wenig ablegen.
an diesem Stand trifft man sich gerne
Meine Einkäufe:
Die A-Note wird für mich natürlich immer noch im Bereich Einkauf vergeben. Die meisten Spiele, die ich vorab als Blindkauf eingestuft hatte, landeten auch bei uns auf dem Neuheitentisch: Ora et Labora, Panic Station, Cité, City Builder, Helvetia, Hawaii, Die ersten Funken, Outpost, Quebec, Letzte Wille, Coney Island, Quarriors, Poseidon’s Kingdom, Paperclip Railways, Tournay, Trajan, String Railway Transport und die Stone Age Erweiterung. Da ich bei dem Element der B-Note “auf der Messe testen/erklären lassen” ziemlich versagt habe, kamen aus diesem Bereich weniger (viel zu wenig!) Spiele auf den Gabentisch als eigentlich geplant. Aquarium, Dungeon Fighter (das hat meine Frau getestet), A Fistful of Penguins, Balance Duels, Pictomania und Space Maze konnten uns auf diesem Weg mehr oder weniger überzeugen, gekauft haben wir sie auf jedenfalls alle.
Aquarium - gespielt und gekauft
Wie jedes Jahr gibt es auch bei mir ein paar Einkäufe, deren Gründe nicht jeder nachvollziehen kann. Nach der Messe wundere ich mich selber auch über den einen oder anderen Einkauf. Help me landete wegen den süßen Tierbabys im Einkaufswagen, harte Schale weiche Birne weicher Kern. Da wir bisher kein Spiel eines griechischen oder eines russischen Verlages in unserer Sammlung hatten, kaufte ich ohne Zögern Drum Roll und Evolution. Bei Terra Evolution wurde es noch wilder. Als wir Sonntag am Stand von Mindwarrior vorbeikamen, wurden gerade die letzten nicht abgeholten PreOrder Exemplare verkauft. Kerstin sah das und kaufte das vorletzte deutsche Exemplar. Ob das Spiel gut ist, keine Ahnung, aber ich konnte doch nicht das letzte Exemplar so alleine am Stand liegen lassen.
ausverkauft und ich bekam das letzte deutsche Exemplar
Auch dieses Jahr überzeugte mich ein kleiner Teil der Spiele auf unserem Tisch durch ihren Preis. Heidelberger fand mal wieder einen Grund für eine Verramschaktion, so dass auch ich schwach wurde. So kaufte ich eine kleine Sammlung Wings of War Produkte, Regents (das habe ich anscheinend verwechselt), Augsburg 1520 (hat ja immerhin eine Nummer), Ad Astra und die Space Alert Erweiterung. Ich mußte mich bei den vielen Angeboten schon sehr zurückhalten, um nicht einen neuen Einkaufsrekord aufzustellen. Insgesamt wurden es dann doch “nur” 50 Spiele, zwei hatte ich bei den Tageszählungen vergessen, und 10 Erweiterungen. Da bin ich ja froh, dass ich nicht auch noch viel angespielt habe. Vielleicht wären dann auch noch Titel wie Eclipse (hatte ich vorbestellt), Mil oder Salty Ocean auf unserem Tisch gelandet.
Aus diesem teilweise “schwachen” Auftritt 2011 ergeben sich für mich folgende Zielsetzungen für 2012: 1.) nicht mehr als 30 40 50 Einkäufe, OK ggf. zählen die Erweiterungen nicht mit :-); 2.) den Samstag und Sonntag zu nutzen, um mir Halle für Halle in Ruhe anzuschauen; 3.) Mal wieder mehr ausprobieren. Was mache ich mir hier eigentlich vor, es wird doch wahrscheinlich wieder so ablaufen wie dieses Jahr, Hauptsache ich habe auch 2012 wieder soviel Spass wie dieses Jahr.
Verlage: Do you speak English?:
Die Internationalität der Messe hat zumindestens in meiner Wahrnehmung noch einmal zugelegt. Das Verlage aus Finnland, Schottland, Italien, Spanien, Frankreich, England, Belgien, Tschechien, Schweiz, Polen, Holland, Japan, Portugal oder USA, um nur mal einige aufzuzählen, an der Spiel teilnehmen, ist ja für die Messebesucher schon fast normal. Aber jedes Jahr kommen neue Länder dazu, 2011 z.B. Griechenland und Kroatien. Es wird Zeit, dass ich mein Schulenglisch ein wenig auffrische, da es schon sehr spannend ist, mit den Leuten aus den unterschiedlichsten Ländern zu reden. Meistens komme ich ja mit meinem charmanten Lächeln weiter, aber ich würde auch gerne alles verstehen, was da so gesagt wird.
Einhergehend mit der Internationalisierung gewinnt die Spiel auch eine immer größere Bedeutung für den B2B Bereich.
Essen holt im B2B Bereich auf
Der Vorsatz mit dem Schulenglisch sollte sich jedoch auch der eine oder andere Verlag zu Herzen nehmen. Bei einer Messe in Deutschland erwarte ich ja nicht von jedem kleinen Verlag einen Erklärer mit perfekten Deutschkenntnissen, aber eine verständliche Erklärung in Englisch wäre schon von Vorteil, insbesondere bei komplexeren Spielen mit mehr als zwei Seiten Anleitung. So habe ich von verschiedenen Personen gehört, dass z.B. der eine oder andere Erklärbär mit der englischen Erklärung von MiL (1049) überfordert war und deshalb das Spiel bei den Betroffenen teilweise durchgefallen ist. Glücklicherweise hatte das keine großen Auswirkungen auf den Abverkauf dieses Spiels gehabt, auch MIL war am Sonntag sicherlich (fast?) ausverkauft.
Standard auf der Spiel 2011?
Vielleicht liege ich auch in diesem Punkt falsch, aber ich habe noch nie so viele Sold Out Schilder gesehen wie 2011. Es gab sehr viele Titel kleinerer Verlage die ausverkauft waren, zumindestens am jeweiligen Verlagsstand: z.B. Terra Evolution, Panic Station, A Fistful of Penguins, Eclipse, Coney Island, Tournay, Cité, einige japanische Spiele, Dungeon Petz und Wilderness, um mal nur ein Paar zu nennen. Selbst die neueste Erweiterung von Dominion Hinterland schien Messeweit ausverkauft zu sein. Es kann natürlich an den jeweils geringen Stückzahlen liegen, aber wir reden teilweise trotzdem von fast 1.000 Exemplare (Poseidon’s Kingdom). OK, ein Teil der potentiellen Hits schaffte es auch nicht bis zur Messe: z.B. Village (vor der Messe noch als das Dorf betitelt), Dungeon Petz in deutsch oder Siberia.
nicht auf der Spiel, hoffentlich nach der Messe erfolgreich
Natürlich gibt es auch (wenige) gute bzw. verständliche Gründe für Verzögerungen, aber überrascht bin ich über das Ausmaß der Last Minute Produktionen und Nichtproduktionen bei der wirtschaftlichen Bedeutung der Spiel für mittlere und kleine Verlage schon. Es gibt für kleine Verlage sicherlich keine bessere Möglichkeit, das eingesetzte Kapital in so kurzer Zeit wieder in Geld umzusetzen, als eine große Ansammlung potentieller Kunden mit einer an allen Ecken spürbaren Kauflust, die bei dem einen oder anderen sogar in einem Kaufrausch ausartet - habe ich mir zumindestens sagen lassen.
Der Nervenkitzel einer Just-in-time-Lieferung am Donnerstagmorgen direkt auf die Messe mag ja spannend sein, das Risiko einer verspäteten Produktion wäre mir jedoch zu groß. Stress ist leider nicht mein bester Freund.
Mittwochs wie in diesem Fall sind solche Bilder OK, Donnerstags für mich nicht
Neue und alte Spiele: Hast du mal einen Heiermann?:
Wie jedes Jahr wurde bereits vor der Messe über die Qualität des Jahrgangs Essen 2011 philosophiert. “Keine herausragenden Spiele”, “Masse statt Klasse”, “das meiste braucht man eh nicht” oder auch “sowas habe ich schon 20x im Schrank”. Erschreckenderweise hatten mich die negativen Kräfte der Spielerschaft fast auch zur dunklen Seite gezogen. Aber dann fing die Messe an und der Pessimismus bzw. die negative Einstellung gegenüber den neuen Spielen war verflogen. Da war sie wieder, die kindliche Freude auf neue Spiele.
wie soll man sich darauf nicht freuen?
Natürlich sind Spiele nicht alle gleich, es gibt auch aus meiner Sicht gute und weniger gute Spiele und sogar richtig schlechte Spiele. Was ich jedoch nicht verstehe, ist die Tendenz vieler Spieler lieber nach dem Negativen als nach dem Positiven in Spielen zu suchen. Immer auf der Suche nach dem perfekten Spiel sind alle anderen Spiele maximal nett, und das wird dann auch noch negativ ausgelegt (kleine Schwester von Schei…). Das führt dann im Extremfall dazu, dass einige Spieler bei 70-80% der Titel ablehnen überhaupt mitzuspielen. Treffen zwei dieser Typen mit unterschiedlichem Geschmack bei einem Spieletreff aufeinander, wird es lustig. Dann kommt immer mein Standardsatz: “Einigt euch endlich, ich spiele alles mit.”
Mich persönlich hat die Messe 2011 mit ihren neuen Titeln nicht enttäuscht. Mal abgesehen davon, dass ich ein Großteil noch gar nicht gespielt habe, hören sich viele Titel interessant an. Bei denen, die ich bisher gespielt/angeschaut habe, sind schon einige richtig gute und/oder außergewöhnliche Spiele dabei: z.B. Ruhm für Rom, Dungeon Fighter, King of Tokyo, Ora et Labora, Villen des Wahnsinns, Star Trek Expeditions, Hawaii … Darüber hinaus gibt es viele Spiele aus diesem Jahrgang, auf die ich mich richtig freue: Trajan, Tournay, Quebec, Die ersten Funken, Vanuatu, City Tycoon, und, und, und. Ich jedenfalls kann mich nicht über den neuen Jahrgang beschweren. Es kann halt nicht jedes Jahr ein 7 Wonders herauskommen.
hier kann ich ja das Foto von dem 7 Wonders Großspiel unterbringen
Auch dieses Jahr gab es natürlich wieder Angebote, die die Käufer unter uns gerne wahrnehmen. In dem Moment, wo das ganze jedoch den Geschmack von Verramschen annimmt, könnte es zu einem Problem für die ganze Branche werden. Ältere Spiele müssen natürlich irgendwann den Platz im Lager räumen. Problematisch wird es jedoch, wenn Titel, die sogar gute Noten/Rezensionen erhalten haben, bereits für 60% des Messepreises 2010 oder weniger in großen Mengen verschleudert werden: z.B. 20. Jahrhundert (10 Euro), Glen More (10 Euro), Age of Industry (nur wenige Exemplare aber für 10 Euro!), Luna (20 Euro), Automobile (20 Euro, Lookout Version) und 1853 (20 Euro, Lookout Version).
einer der Stände mit sehr guten Angeboten
Da setzt selbst bei einem schmerzfreien Vielkäufer wie mir die Schnappatmung ein. Natürlich kann sich auch bei uns schnell die private Situation so ändern, dass ich auf der Messe nur wenige Spiele kaufen könnte. Wenn es jedoch mit dem Preisverfall noch extremer wird, könnte es passieren, das ich unabhängig von unserer Situation nicht mehr bereit bin, an diesem “Spiel” teilzunehmen. Auch wenn oft den Verlag keine Schuld trifft (ich sag nur Heidelbeeren
), müßte ich mein Einkaufverhalten stark überdenken. Bin ich damit alleine, ist das noch kein Problem. Bei einer generellen Verhaltensänderung der Käufer, würden gerade die kleinen Verlage (ohne Hype-Potential) und damit wiederum die Spielevielfalt darunter leiden. Natürlich helfen Vertriebspartner durch die Abnahme großer Teile der Produktion kleinen Verlagen, trotzdem sollten diese Lagerleerungsaktionen nicht zu einem weiteren Preisverfall von Spielen führen. Die Franzosen schütteln schon jetzt den Kopf über die Preisakzeptanz von Spielen in Deutschland.
ältere Titel: dieses Verramschen finde ich persönlich OK
Die Organisation - wo geht es zu Halle 7?:
Dieses Jahr war es endlich soweit. Da die Spiel 2010 aus allen Nähten platzte und immer mehr insbesondere ausländische Anbieter einen Stand auf der bedeutensten Messe ihrer Art weltweit anmieten wollen, reagierten die Organisatoren mit einer (Teil-)Öffnung der Halle 7. Leider wurde dieser Teil der Messe ein wenig stiefmütterlich behandelt, oder anders ausgedrückt, zumindestens am Donnerstag und Freitag war es dort arsch ziemlich kalt. Da wirklich nur ein kleiner Teil der Halle 7 belegt war und vielleicht auch ein Highlight für die Masse der Besucher fehlte, hatte man dort in den Gängen immer sehr viel Platz. Hoffentlich kann die Halle 7 im nächsten Jahr durch weitere Aussteller und vielleicht der einen oder anderen Umorganisation (mehr Platz in den anderen Hallen, nur so ein Vorschlag) zu einem vollwertigen “Mitglied” der kommenden Messe werden.
vielleicht wird Halle 7 auch mal so attraktiv wie Halle 9
Insgesamt war die Messe wieder gut besucht. Natürlich waren gerade die Hallen 10-12 zu gewissen Zeitpunkten sehr voll, jedoch kam ich diesmal nicht in Situationen wie 2010, wo es minutenlang gar nicht mehr vorwärts ging. Das fand ich schon sehr angenehm. Auch dieses Jahr gab es wieder Schlangen vor den Kassen, aber glücklicherweise nicht vergleichbar mit dem Disaster 2010 (neues Kassensystem). Sehr positiv ist mir aufgefallen, dass keine Spielgruppen vom Boden vertrieben wurden, vereinzelt spielten die Leute sogar in den Gängen. Natürlich wären ein Paar vielleicht sogar neutrale Spiel-/Sitzmöglichkeiten mehr wünschenswert, aber dieses Spielen, wo immer es nur geht, hat auch einen weniger geplanten, etwas menschlicheren Charme, der nicht immer in Deutschland zu finden ist und den ich persönlich auf der Spiel sehr schätze.
Schlangen sind OK, solange sie sich bewegen
Spielen auf dem Boden gehört auf dieser Messe dazu
Schlusswort:
Natürlich kann man immer vieles verbessern, die Qualität der Spiele könnte noch besser und die Preise noch günstiger werden bei gleichzeitigen Rekordgewinnen der Verlage. Die Spiel wird so erfolgreich, dass sie alle Essener Messehallen benötigt und es werden 400.000 Besucher in 8 Tagen gezählt. Es gibt genug Spieltische für alle und auch die Veranstalter machen finanziell ihren Schnitt. Auch ich könnte mein “Verhalten” auf der Messe optimieren und einmal drei Monate vor und nach der Messe nicht krank zu sein wäre auch toll. Wenn jedoch jetzt eine gute Fee mit einem Vertrag vorbei kommen würde, bei dem nach der Unterzeichnung 2012 alles wieder so wird wie 2011, würde ich sofort meine drei Kreuze machen. Denn eine Tatsache sollte man immer berücksichtigen, schlimmer geht es immer.
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