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Conquest of Mythodea 2011 - mittendrin statt nur dabei
Bereits zum drittenmal habe ich am vergangenen Donnerstag die Chance genutzt, für einen Tag in die Welt von Mythodea zu schuppern. Um 7:00 fuhr ich auf die Autobahn. In den Tälern und auf den Feldern hatten sich Nebelschwaden gesammelt, dazu ein paar Sonnenstrahlen, das war doch eine passende Einstimmung für die kommenden Stunden. Für meine Pause wählte ich dann auch noch einen Rastplatz mit einem Fantasy tauglichen Namen: Rhynern.
Leider hatte sich das Wetter im Teutoburger Wald drastisch verschlechtert. Zum Nebel kamen jetzt auch noch dunkelgraue Wolken und Regen, Ork-Wetter? Nach gut drei Stunden Fahrt kam ich dann gegen 10 Uhr in Brokeloh an. Glücklicherweise hatte der Regen seine Arbeit schon fast komplett eingestellt.
damit man weiss, was einen erwartet
Schnell stellte ich mein Auto für einen Euro auf dem Gästeparkplatz ab, packte die Kamera ein und bewegte mich mit großer Vorfreude in Richtung Rittergut Brokeloh. Es ist schon sehr lustig, wenn man durch den kleinen beschaulichen Ort geht, und in der Ferne bereits Schlachtenlärm hört.
Leider hatte mich vorab niemand informiert, dass sich die Regeln für die Tagesgäste vor Ort in diesem Jahr geändert hatten. Dabei sind die neuen Regeln nach meiner Meinung sehr sinnvoll. Ohne Gewandung wurde die Presse für ein paar Infos und Fotos kurz über das Gelände geführt, woran ich auch erstmal teilnahm. Da ich natürlich dafür nicht insgesamt sechs Stunden Fahrt auf mich genommen hatte, mußte ich (gefühlt sehr lange) warten, bis mich jemand zur Stadt für mein Gewandungseinkauf begleiten konnte. Die große Wartezeit hatte ich einem professionellen Fotografen einer großen deutschen Presseagentur zu verdanken. Kurze Führung, quatsch, die sind einfach etwas besseres.
nicht jeder hat genug Zeit für echte Fotos
In der Stadt angekommen entließ mich mein Begleiter in die Hände dreier netter Verkäuferrinnen des Larp-Shops. Da mich das ganze etwas auf dem falschen Fuß erwischt hatte, kaufte ich eine viel zu große Hose (braun) mit eine bequeme Hemd (grün) und einer mittelalterlichen Kopfbedeckung (braune Mütze). Als “Maler” brauchte ich natürlich keine Waffen. Wäre sicherlich sehr lustig, wenn mich ein Schwarm (Gruppe) des schwarzen Eises als Bedrohung ansehen und auf mich zustürmen würden. Ein rennender Fotograf Maler über das Schlachtfeld, das hätte natürlich schon etwas.
Nach dem Umstylen mußte ich noch kurz zum Auto, um meine bisherigen Klamotten zu verstauen. Da ich jetzt mehr Stoff an mir hatte als vorher, konnte ich auch auf Schutzmaßnahmen (Sonne!) gegen das jetzt hervorragende Wetter verzichten.
hier konnte ich mich larpgerecht einkleiden
Durch die neuen Klamotten fühlte ich mich zum erstenmal auf einem Conquest nicht mehr als störendes Element. Daumen hoch für diese neue Regel. Das Setting wurde im Gegensatz zu 2010 diesmal nicht von einer Festung der NSC dominiert. Neben den verschiedenen bekannten Lagern der Spieler konnten diesmal kleinere besondere Orte (z.B. ein Tempel) bespielt werden. Ich persönlich fand dieses Setting als Beobachter sogar interessanter, da so die Dominanz eines Setting-Elements fehlte. So bewegte ich mich von einem Ort zum anderen und konnte überall schönes ausdruckstarkes Rollenspiel beobachten.
der Tempel, einer der neuen besonderen Orte
schönes Spiel am Rand der großen Schlachten
In den ersten 3-4 Stunden hatte ich das Vergnügen mehrmals mit Argus, dem Obermufti des Schwarzen Eises (hoffentlich liege ich hier nicht falsch), den Weg zu kreuzen. Ihm zuzuschauen (und wahrscheinlich auch mit ihm zu spielen) macht wirklich Spass. Er spielt seine Rolle sehr ausdrucksstark und ist immer sehr motiviert bei der Sache, aber auch für eine unerwartete lustige Aktion ist er immer wieder gut. Auf einem der Wege traf er auf eine Gruppe mit einer mächtigen Zauberin, die es schaffte ihn durch ihre magischen Fähigkeiten von der Gruppe fern zu halten, was er mit Beschimpfungen quitierte. Dies wurde sehr emotional ausgespielt. Zum Kontrast schlich er sich dann ein paar Minuten später an zwei junge Mitspieler und tippte ihnen auf die Schulter. Beim Anblick der überraschten und gleichzeitig entsetzten Gesichter mußte ich doch laut lachen. Einfach nur großes Kino.
Argus - immer wieder beeindruckend
dabei aber auch immer wieder erheiternd
Danach begab ich mich in die Stadt, um meinen Hunger und Durst an den verschiedenen Ständen mit den unterschiedlichsten Angeboten zu bekämpfen. Schließlich entschied ich mich als Hauptgericht für rustikale Kartoffeln mit Knoblauchsoße und weiteren Toppings (z.B. Röstzwiebeln). Als Nachtisch gönnte ich mir Stracciatella Eis mit Joghurt und frischen Heidelbeeren. Sehr sehr lecker. Die niedrigen Preise überraschten mich sehr positiv, da ich von anderen Veranstaltungen höhere Preise gewohnt bin. Natürlich durfte auch der bekannte “Kneipenbereich” nicht fehlen. So war die Black Pearl bereits gut gefüllt und ein weiblicher Barde (oder heißt das Minnesängerin?) unterhielt im Nachbarzelt die entspannten Gäste. Gerade dieser Wechsel von dem einen Extrem (gespielte) aggressive Schlachten und dem anderen Extrem überwiegend entspannte Atmosphäre in der Stadt finde ich sehr gut. Natürlich sollte auch in der Stadt die eigene Rolle und das Spiel nicht vergessen werden.
leckere Heidelbeeren dazu Eis, hmm
auch ungewöhnliche Speisen im Angebot
Auf der Wiese nebenan war der Supermarkt aufgebaut, mit fast allem was ein Larper während der Tage so gebrauchen kann: Deo, Sonnenschutz, Kohleanzünder, Dosensuppen, Toilettenpapier, Obst & Gemüse, Cornflakes, Getränke, Nutella, Chips, etc. aber auch gekühlte Lebensmittel wie z.B. Joghurt, Wurst, Käse und Grillfleisch. Die verkaufte Menge kann sich sehen lassen und hält sicherlich dem Vergleich mit einem kleinen Supermarkt stand. Laut Angabe eines Mitarbeiters vor Ort werden während der Tage z.B. ca. 16.000 Flaschen Wasser verkauft. Für eine Woche ist das schon eine große Zahl. Aber auch der organisatorische Aufwand der im Bereich der Sanitäranlagen betrieben wird, ist schon beachtlich. Natürlich darf man kein Badezimmer mit Marmorverkleidung erwarten.
große Auswahl in einem kleinen Zelt
Was mich immer wieder begeistert, ist das zur Verfügung gestellte Gelände des Rittergutes Brokeloh. Die Gebäude passen thematisch hervoragend zur Story und das Gelände bietet sehr viel Platz für die Lager und die verschiedenen Kampfbereiche. Die Wiesen sind sehr schön durch Baumgruppen oder von Bäumen begrenzten Wege voneinander getrennt. Gerade wenn auf diesen Wegen die verschiedenen Gruppen aufmarschieren, ist das schon sehr beeindruckend.
Atmosphäre satt
Larp im Grünen
Aber erst die Teilnehmer erfüllen das Ganze mit Leben. Zwar gibt es hier und da ein paar Spieler, die sich nicht wirklich viele Gedanken um ihr Äußeres machen, T-Shirt reicht, hauptsache die Waffe ist schön groß :-). Aber der mit Abstand größere Anteil der Spieler gibt sich sehr viel Mühe. Nach meinem Empfinden war der diesjährige Conquest noch internationaler als die Jahre zuvor, nicht umsonst gilt die Veranstaltung als größtes Larp der Welt.
nur ein paar Beispiele für verschiedene “Verkleidungen”
eine große rein französische Gruppe
Natürlich gab es auch wieder viele kleine Scharmützel und einige größeren Schlachten. Als ich wieder auf die große Wiese ankam, marschierten gerade zwei große Gruppe (insgesamt ca. 600 Leute) der NSCs auf. Die eine Hälfte (Schwarzes Eis) marschierte Richtung Feuer Lager. Das untote Heer blieb jedoch genau vor dem neutralen Lager stehen. Cool, schnell an die äußere Seite der Palisaden gestellt mit der Hoffnung auf ein paar schöne Fotos.
das untote Heer kommt zu mir
Aus der großen Masse trat eine Bogenschützin, die durch einen Schildträger geschützt in meine Richtung zum Tor des Lagers ging. Gewohnt als Pressemensch nur Luft für die Spieler zu sein, machte ich nichts ahnend meine Fotos. Da ich aber durch mein Outfit diesmal Teil der Spielewelt war, und mein Presseausweis aus der Entfernung nicht zu sehen war, identifizierte mich die junge Frau des untoten Fleisches anscheinend als lohnendes Ziel. Gerade als ich für ein weiteres Foto einen Schritt weg von der Palisade machte, schoß sie mir einen Pfeil mit voller Wucht auf meine linke Brust. Jetzt war ich also mittendrin. Die Stärke des Aufpralls überrachte mich schon. Es tat nicht wirklich weh, aber ich war schon beeindruckt. Das erste Mal vergißt man ja nie und ich danke der jungen Frau für dieses Erlebnis. Danach war ich jedenfalls für den Rest des Tages vorsichtiger und machte doch den einen oder anderen schnellen Schritt zur Seite.
Brusttreffer - das erste Mal, vergißt man nie
Aber nicht nur die Schlachten waren beeindruckend, auch die eine oder andere interessante Zeremonie konnte ich beobachten. So gab es z.B. am Tempel eine längere Zeremonie des Feuerlagers mit Fackeln. Auf der selben Wiese fand am “Wasserloch” eine weitere große Zeremonie statt. Zu diesem Zweck stieg der Trytone Aquas (hoffentlich stimmt das so) begleitet von Beschwörungsformeln in das Wasser (!). Diese Zeremonie wurde von Kämpfern abgesichert, die immer wieder die selbe Parole laut wiederholten. Das ganze dauerte bestimmt gut eine Stunde. Später erfuhr ich, dass das “geweihte” Wasser nach der Zeremonie beschmutzt wurde, da die Truppen zu früh ihren Schutz abzogen. Beim Conquest müssen sich die Spieler schon anstrengen, d.h. nur weil die Teilnehmer bezahlen, wird ihnen der Erfolg nicht einfach geschenkt und das finde ich auch gut so. Immerhin spielt das ganze auf einem gerade entdeckten feindseligen Kontinent, so etwas ist kein Zucker schlecken.
Feuerspiele am Tempel
starkes Spiel im Wasser
Dies paßt auch zum diesjährigen Motto: Larp mit! Denn nur wenn alle Teilnehmer wirklich mitmachen und sich nicht nur einfach bespaßen lassen wollen (Stichwort: Party machen), kann eine solche Welt wirklich zum Leben erweckt werden. Das ein sehr großer Anteil der Teilnehmer sehr engagiert ist, hat sich auch wieder in meinen netten Gesprächen mit den SCs (Spielercharaktere) und NSCs (Nichtspielercharaktere) gezeigt. Beinahe hätte ich sogar meine geplante Abreisezeit verquatscht, glücklicherweise schaute ich dann doch mal auf eine Uhr, denn immerhin standen mir erneut drei Stunden Fahrt bevor. So verließ ich gegen 20:00 mit vielen Eindrücken den Parkplatz.
und tschüss, hoffentlich bis zum nächsten Jahr
Insgesamt hat mir der Tag in Mythodea wieder hervorragend gefallen. Natürlich ist die Überschrift eine Übertreibung denn mittendrin war ich nur für einen kurzen Augenblick. Aber vielleicht ist dies ja auch ein Ausblick auf das kommende Jahr. Die komplette Rückfahrt und die Tage danach habe ich mich damit beschäftigt, ob ich nicht nächstes Jahr selber einmal auf dem Conquest als Spieler aktiv werden soll. Meine Frau kann ich sicherlich nicht dafür begeistern, also bräuchte ich ein wenig Anschluss und im Zelt schlafen ist auch nicht so mein Ding, aber vielleicht finde ich ja im Ort ein Zimmer, und die Ausrüstung, Regelwerk, … Da gibt es noch einige Dinge zu klären. Aber vielleicht gibt es hier in diesem Blog nächstes Jahr einen Spielerbericht vom Conquest zu lesen.
ein letztes Foto für dieses Jahr
Weitere Fotos vom Conquest 2011 findet ihr hier.
Mehr Informationen zum Conquest of Mythodea findet ihr direkt auf der offiziellen Website:






















