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Archive für 27.6.2011

Heidelberger Burgevent Stahleck 2011 - nur noch 114 Tage bis zur Spiel 2011 - Teil 2

Auch dieses Jahr werde ich die Neuerscheinungen von Essen 2011 und der 3-4 Monate davor für mich bewerten (mein Leitfaden für die Spiel): 4 (Pflichtkauf), 3 (sehr interessantes Spiel, auf jedenfall intensiv anschauen), 2 (hört sich interessant an, wenn nichts dazwischen kommt, werde ich mir das Spiel anschauen), 1 (wahrscheinlich uninteressant, wenn noch Zeit ist, werde ich einen Blick riskieren) und 0 (vielleicht ergibt sich ja nach der Spiel eine Testmöglichkeit). Diese Bewertungen sind natürlich oft nicht fundiert, da normalerweise Testpartien fehlen und ich mir die Anhaltspunkte aus den Regeln und den anderen bekannten Informationsquellen ziehe. Deshalb können sich die Bewertungen auch durch weitere Informationen schnell verändern. Aber irgendwie muß ich ja vorfiltern, um die Masse an Neuheiten auf der Spiel zu bewältigen. Also seit meine Gäste, wenn ich wieder versuche nicht zu viele Spiele in Essen zu kaufen. :-) Natürlich konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, auf dem Heidelberger Event (siehe erster Teil) einige Prototypen zu testen, und bin froh, dass hinter meinen ersten Bewertungen für Essen 2011 jeweils auch eine Testpartie steht.

Ora et Labora (Uwe Rosenberg, Lookout?)

Direkt das erste Spiel auf dem Burgtreff das wir ausprobieren konnten, war das neue große Rosenberg Spiel, das in Essen 2011, ich denke mal bei Lookout, erscheinen soll. Unser Erklärbär war noch etwas schläfrig, trotzdem bemühte er sich, dieses relativ komplexe Spiel in einem Guss und dazu noch verständlich zu erklären. Dabei kam uns zu Gute, dass wir alle bereits Le Havre kannten. Man sieht schon eine gewisse Verwandtschaft zu diesem für mich hervorragenden Spiel, aber auch Agricolaelemente schauen schon mal um die Ecke. :-) Die Systematik der Gebäude (Kosten, Siegpunkte und Nutzen) und auch deren Darstellung erschließt sich für Le Havre “Eingeweihte” sehr schnell. Kommen wir jetzt aber zu den kleinen und großen Unterschieden zu Le Havre (Agricola).

ein weiterer “großer Rosenberg”

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Im Gegensatz zu dem Hafenspiel hat jeder Spieler (ähnlich wie bei Agricola) sein eigenes Gebietstableau, auf dem der Spieler nach und nach seine Siedlung mit Gebäuden ausbaut. Dieses Tableau kann durch weitere Tableaus in der Größe aber auch in den Gebietsarten ergänzt werden. Zwar gab es bereits bei Agricola gewisse Bebauungsregeln, bei Ora gibt es jedoch Gebäude, die nur auf einer bestimmten Geländeart gebaut werden können. Zusätzlich ist jetzt auch die Ermittlung des Siegpunktwertes der einzelnen Gebäude komplexer und insbesondere von den Siedlungsplättchen beeinflußt. Der Ertrag der Grundproduktion (z.B. Stein, Lehm, Getreide) ist abhängig vom Verhalten der Mitspieler. Wurden alle Gebäude dieses Typs im Spiel (z.B. Lehmhügel oder Bauernhof) lange nicht mehr genutzt, so ist ihr Ertrag besonders hoch. Hat gerade in der selben Runde jedoch jemand genau den angepeilten Gebäudetyp genutzt, ist der Ertrag gleich null.

da braucht man schon ein wenig Platz

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Dies ist nicht der einzige Punkt, wo sich Spieler gegenseitig beeinflußen. Nur weil man ein Gebäude bei sich auf dem Tableau gebaut hat, heißt es nicht, dass man es nur selber nutzen kann. Die Mitspieler können mit Geld dafür sorgen, dass man selber eine eigene Figur (insgesamt hat man drei) auf ein eigenes Gebäude setzt, jedoch dieser Mitspieler dann dieses Gebäude nutzt. Genau wie bei Le Havre können bereits besetzte Gebäude nicht mit einer weiteren Figur genutzt werden. Die Anzahl der gespielten Runden stehen erneut fest, aber man muß diesmal nicht ernähren. :-) Mehrmals im Spiel kommen neue Gebäudearten in die Auslage und können ab dann gebaut werden. Dies ist auch der Zeitpunkt ein Siedlungsplättchen aus dem eigenen Vorrat auf das Tableau zu bringen.

meine eigene Siedlung mit erster Gebietserweiterung

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Unsere Partie haben wir mit einem Schnelleinstieg begonnen: ein paar Waren und ich glaube mit drei zusätzlichen Startgebäuden auf dem Tableau. Nach 90 Minuten haben wir dann die Partie zufrieden abgebrochen, da unsere beiden Spielpartner (4er Partie) zum Mitagessen wollten, Schwächlinge. :-) Das ich Agricola und insbesondere auch Le Havre mit Höchstnoten bewerte, zeigt natürlich meine Grundeinstellung zu dieser Art von Spielen. Aber Ora et Labora hat mich auch nicht enttäuscht. Trotz der Gemeinsamkeiten mit den beiden Vorgängern sind genügend neue Element enthalten, das sich dieses Aufbauspiel eigenständig präsentiert. Natürlich sollte der herausgebende Verlag seine Arbeit auch noch gut verrichten (z.B. Übersichtlichkeit damit man die Möglichkeiten, Gebäude bei den Mitspielern zu nutzen, gut erkennt), für mich persönlich vergebe ich aber jetzt schon eine 4 (Pflichtkauf).

Diluvium (Placenta Games)

Dieses Spiel wird wahrscheinlich erst nächstes Jahr erscheinen. Trotzdem wollten wir die Chance, den Nachfolger von Florenza zu testen, nutzen. Auch wenn mir bei einem Spiel das Thema erst mal egal ist, kann man mir auch mit ungewöhnlichen Themen “eine Freude machen”. OK, das hört sich jetzt vielleicht ein wenig nach Widerspruch an, aber so “chaotisch” bin ich halt. :-) Somit war ich vom Thema des Spiels, wir bauen gemeinsam an der Arche und retten möglichst viele Tierpärchen, direkt angetan. Spielerisch ist es ein typisches Workerplacement Spiel jedoch mit weiteren Elementen (z.B. Tauschen und Legespielelemente), die dieses Spiel nach meinem ersten Eindruck sehr eigenständig wirken lässt. Aufmerksam Gelegenheiten nutzen oder z.B. im Legepart Unachtsamkeiten der Mitspieler “bestrafen”, da steckt schon einiges in der Arche an Planung. Zusätzlich sollte man auch immer ein Auge auf die Bonusplätchen haben.

das Aktionstableau mit den 7 Optionen im Vordergrund

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Jedenfalls hat uns der Genre-Mix in dieser ersten Partie gut gefallen, auch wenn der Autor mit seinem Sieg natürlich ein absolutes NoGo begangen hat. :-) Sicherlich muß nach meinem Geschmack noch an der einen oder anderen Schraube ein wenig gedreht werden,  z.B. ist mir die “Akquirierung” der Tierplätchen noch zu zufällig für ein solches Spiel, so dass bei uns in den letzten Runden nur ungern neue Tiere ins Spiel gebracht wurden (nicht verschiffte Tiere bringen Minuspunkte und nur Pärchen können verschifft werden). Auch bin ich mir noch nicht ganz sicher, ob alle spielzerstörenden Extremstrategien bereits regeltechnisch verhindert werden. Besonders wichtig wird bei diesem Spiel eine übersichtliche (Tier)Grafik sein, da wir bei den Tauschvorgängen nicht immer die passenden Gegenstücke bei unseren Mitspielern erkannten. Aber wenn der Feinschliff bei Diluvium seinen Namen verdient und das Thema beibehalten wird, steht einem Kauf von meiner Seite im nächsten Jahr nichts im Weg.

später im Spiel sieht man schon die ersten besetzten Gehege

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Puerto Rico - das Würfelspiel (alea)

Ob und wann dieses Spiel erscheint, steht (wahrscheinlich) noch nicht fest, so dass sich am Spiel noch einiges verändern kann. Im Gegensatz z.B. zu Burgen von Burgund muß ich mich vor dem eigenen Würfelwurf entscheiden, welche Aktion und somit neutrale(n) Würfel ich wähle, erst dann darf ich meine eigenen Würfel werfen. Viele Elemente der Mutter aller komplexen Eurogames sind auch hier (bisher) enthalten. Da ich mir aber sicher bin, dass hier noch einiges geändert wird, und dass muß es nach meinem Empfinden auch, werde ich nicht weiter auf das Spiel eingehen. Ich hoffe nur, das mögliche Endprodukt gefällt mir, denn es wird eine Nummer haben und irgendwie setzt mich das immer unter Handlungsdruck. :-)

Last Will (CGE)

Dieser Titel ist eine von drei Neuheiten (Dungeon Petz und Galaxy Trucker 2nd Expansion) für Essen 2011. Wie nicht gerade überraschend, ist das Thema dieses Spiels wie so oft bei CGE eher ungewöhnlich. Ähnlich wie bei Mankomania (1965) und MAD (1979 USA) versuchen die Spieler möglichst schnell Pleite zu gehen, da sie nur dann die große Erbschaft des reichen Erbonkels für sich verbuchen können. Zu diesem Zweck versuchen die Spieler sich aus den fünf verschiedenen Arten von Karten (z.B. Gebäudekarten, Helferkarten) möglichst gute Kartenkombinationen herauszusuchen und auszuspielen, d.h. Kombinationen die das Geld schmelzen lassen wie Eis in der Sonne. Hier ein kleines Beispiel. Es gibt Häuser, da lohnt es sich gar nichts zu tun, da sie immens an Wert verlieren. Bei anderen Häusern kann es von Vorteil sein, zusätzlich das Haus mit einem Koch und zwei Pferden zu besetzen (drei entsprechend Helferkarten ausspielen), da dann der Unterhalt das Vermögen sehr schnell auffrißt.

weg mit der Kohle :-)

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Jede Runde beginnt mit der Verteilung von Paketen aus einer bestimmten Anzahl neuer verdeckter Karten, ein oder zwei Aktionssteinen (hiermit können Aktionen auf dem Hauptspielbrett durchgeführt oder dort ausliegende Karten genommen werden) und einer unterschiedlichen Zahl Aktionspunkte zum Ausspielen der Handkarten bzw. Nutzen der bereits liegenden Karten. Ein Handkartenlimit von zwei am Ende der Runde verhindert ein blindes Horten der verschiedenen Kartensorten. Unsere Partie konnte meine Frau durch zwei ausgedehnte kostspielige Saufgelage gewinnen. :-) Ich muße mich mit dem letzten Platz zufrieden geben, da ich es noch nicht einmal geschafft hatte ins Minus zu kommen. Zu dritt haben wir nur ca. 35 Minuten gespielt, aber ähnlich wie bei 7 Wonders dauert die Erklärung ein wenig länger als bei einer solch kurzen Spielzeit zu erwarten ist.

die Grafik wird noch komplett überarbeitet

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Jedenfalls hat uns dieses Spiel sehr gut gefallen. Das ungewöhnliche Thema, die Suche nach “lohnenden” Kartenkombinationen dazu ein wenig Taktik bzw. Ausnutzung der Gegebenheiten und das alles bei einer sehr kurzen Spieldauer haben uns überzeugt. Zwar sehe ich die kleine Gefahr eines geringeren Wiederspielreizes (die kleine Angst hatte ich aber auch schon bei 7 Wonders), da uns aber beiden das Spiel so gut gefallen hat und ich ja nicht nur drei Titel auf der Spiel kaufen möchte, :-) erhält es von mir die persönliche Bewertung 4 Pflichtkauf.

Dungeon Petz (CGE)

Tja, wenn man schon das Thema von Last Will ungewöhnlich findet, wie sieht das dann erst bei Dungeon Petz aus? Die Imps aus Dungeon Lords haben sich selbständig gemacht. Irgend woher müssen ja auch die ganzen Monster zur Bewachung der Dungeons herkommen. Genau hier setzt das Geschäftsmodell der Imps und somit auch der Spieler an. Ziel des Spiels ist es möglichst erfolgreich kleine Monster Babys hochzupeppeln, die zum einen Wettbewerbe (z.b. wer hat den größten Appetit?) gewinnen und möglichst auch besonders hoch von den Lords mit Siegpunkten bezahlt werden. Natürlich muß man immer aufpassen, das mit einem tollen Thema nicht spielerische Mängel “übertüncht” werden.

für Dungeon Petz braucht man wohl einen größeren Tisch

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Im Prinzip ist Dungeon Petz ein klassisches Workerplacement Spiel. Zu diesem Zweck werden die eigenen Imps (zum Start hat man 6 Stück) verdeckt hinter einem Sichtschirm auf eine beliebige Anzahl Arbeitsgruppen verteilt und ggf. mit Gold noch aufgewertet (zählt wie ein Imp). Dann darf als erster der Spieler mit der größten Arbeitsgruppe diese Imps auf den großen Spielplan schicken und eine Aktion wählen. So werden nach und nach ggf. reihum (bei gleicher Anzahl) die Arbeitsgruppen der Mitspieler auf die Aktionsmöglichkeiten verteilt. Aber auch Impsgruppen die nicht mehr eingesetzt werden können bzw. sollen, sind noch sehr hilfreich, da sie den Mist aus den Ställen beseitigen oder aber als Spielpartner bzw. Bewachung für die Baby-Monster eingesetzt werden können.

hier werden die Imp-Gruppen zusammen gestellt

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Die Aktionsmöglichkeiten auf dem Spielbrett sind vielfältig: Baby Monster und Käfige kaufen, Käfige verbessern, mächtige Sonder Items und Nahrung besorgen, weitere Imps rekrutieren, Wettbewerbe beeinflußen, Schlaftrank brauen und den Siegpunktpreis für die eigenen Monster verbessern. Umso älter die Monster werden, umso mehr Karten müssen für ihre Bedürfnisse ausgespielt werden und umso größer ist die Gefahr, dass sie unzufrieden werden. Da man immer nur eine Karte mehr hat, als man ausspielen muß, und diese erst nach den Aktionen auf dem Spielbrett bekommt, gehört auch ein wenig Glück dazu, dass einem die Monster nicht scharenweise davon laufen.

ein wenig Kartenglück sollte man für eine erfolgreiche Partie haben

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Thematisch hat mir Dungeon Petz sehr gut gefallen aber auch spielerisch war unsere 4er Partie (110 Minuten Spielzeit) spaßig, wir hatten aber auch sehr nette Mitspieler. Mir gefällt der Nachfolger zumindestens nach der ersten Partie besser als Dungeon Lords (OK, ich bin aber auch kein absoluter Fan dieses Spiels), denn hier habe ich nicht das Gefühl komplett aus einer Partie rausfliegen zu können. Zwar bin ich mir noch nicht endgültig sicher, ob ich nicht doch ein wenig vom putzigen Thema beeinflußt werde, aber eine 3 (sehr interessantes Spiel) bekommt Dungeon Petz von mir auf jedenfall.

mein erstes Baby-Monster :-)

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Gegen 22:30 war es dann soweit, und wir brachen etwas müde in Richtung Köln/Leverkusen auf. Das Burgevent hat uns jedenfalls richtig Spass gemacht. Gut organisiert, nette entspannte Mitspieler, viele Autoten und Verlagsvertreter mit denen man interessante Gespräche führen konnte und viele gute Prototypen, was will der Spielbegeisterte mehr. Vielleicht ergibt sich ja auch nächstes Jahr die Möglichkeit für eine Teilnahme (wenn möglich dann alle drei Tage), mich würde es jedenfalls sehr freuen.

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