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Friends
Nach der Spiel ist vor der Spiel
Mittwoch:
Dieses Jahr konnte ich zum erstenmal bereits Mittwoch in die Messehallen. Um Viertel vor neun kam ich auf dem Parkplatz an. Habe kurz alles in meinen von allen zu Recht gehassten Hackenporsche (großer Trolley) gepackt und ab zum Eingang. In den Hallen war zu diesem Zeitpunkt eine Mischung von Ruhe und Chaos angesagt. Es war mal sehr interessant zu sehen, wieviele Arbeiten in den Tagen vorher und am Donnerstag Morgen vor Eröffnung erledigt werden müssen, um die weltgrößte Brett- und Kartenspielmesse in der bekannten Form stattfinden zu lassen.
der letzte Anstrich vor dem Ansturm
Gerade in den Hallen mit den großen Ständen (10-12 und 5) war die Betriebsamkeit bereits am Mittwochmorgen sehr groß. An den Ständen wurde geschraubt, angestrichen und überall standen schon die Paletten mit den Schätzen und Gurken.
Trotz der anliefernden Autos und der Handwerker war in den Hallen immer noch eine gewisse Ruhe (vor dem Sturm) zu spüren. In den Hallen mit den kleineren Verlagen (9 und 4) waren viele Stände noch gar nicht existent.
Halle 4 am Mittwochmorgen noch ziemlich verwaist
Da Klaus sich nicht sicher war, ob er es rechtzeitig zur Neuheitenshow schaffen würde, hatte ich sicherheitshalber ein Hansa Teutonica dabei. So konnte ich um kurz vor 10 das Spiel auf der Neuheitenshow aufbauen. In den Jahren zuvor hatte ich diese Ausstellung immer ignoriert. Zumindestens am Mittwoch kann man dort mit den Verlegern bzw. Autoren sehr gut quatschen. Außerdem kann man dort während der gesamten Tage in Ruhe Fotos von den Neuheiten machen.
die Neuheitenshow - gut für einen schnellen (nicht kompletten) Überblick
Am Nachmittag lief ich dann wieder durch die Hallen. Inzwischen waren auch in den Hallen 4 und 9 mehrere Verlage in ihre Vorbereitungen vertieft. Dies wurde immer wieder von Käufern unterbrochen, die bereits Mittwoch ihre Spielesammlung ergänzen wollten. Auch ich hatte nicht umsonst einen Trolley dabei. Insgesamt wanderten so 13 Spiele in unser kleines Auto, so dass für die nächsten Tage der Kofferraum ausreichen sollte.
später konnte man auch hier schon einkaufen
Donnerstag:
Am Donnerstag war ich dann mit meiner Frau wieder gegen Viertel vor 9 in den “heiligen” Hallen angekommen. In Erinnerung an die Spiel 2008 (da war der Donnerstag sehr leer) hatte ich erneut meinen Trolley dabei. Leider hatte ich nicht an die Herbstferien gedacht. Mit meiner sehr lieben verständnisvollen Frau im Schlepptau walzte ich durch die Hallen. Bereits um 10:10 (dank der Angebote von Heidelberger, dazu an anderer Stelle mehr) waren unser Trolley und zwei weitere große Tüten voll. Also wollte ich zum Auto und diese dort abladen. Da aber der gesamte Eingangsbereich hermetisch durch Menschenkörper abgeriegelt war, gönnten wir uns im absolut leeren Gastrobereich Tee und Brötchen.
das nennt man wohl gut besucht
Nach 20 Minuten fand ich eine Lücke in der Verteidigung, machte jedoch den großen Fehler den Trolley erneut mit reinzunehmen. Um 11:30 trafen wir uns dann am Argentum Stand mit Kerstin und Detlef. Von da an versuchten wir gemeinsam potentielle Kaufkandidaten Probe zu spielen, scheiterten jedoch am Besucherandrang. So blieb uns nichts anderes übrig als Spiele blind zu kaufen und Spiele auszuprobieren, die die meisten Besucher (zu Recht?) nicht auf ihren Listen hatten.
mancher Blindkauf war von Anfang an geplant
Eigentlich wollten wir am koreanischen Stand Gemblo Red Stone ausprobieren. Wie so oft auf der Spiel 2009 waren den Tischen jeweils ein bestimmtes Spiel zugeteilt. An dieser Regel wurde auch nicht gerüttelt. Damit wir endlich mal zum Spielen kamen, ließen wir uns Peeper (Verlag: Joen) von einer jungen Frau erklären, die leider selber die Regel nur sehr ungenügend kannte. Gottseidank dauerte das Spiel nicht sehr lange, trotzdem verzichteten wir auf eine weitere Partie.
Peeper - mit den richtigen Regeln vielleicht ganz gut
Nach einer Runde durch Halle 4 spielten wir dann am selben Stand Gemblo Red Stone. Da wir Gemblo schon haben, wollten wir natürlich wissen, ob der Kauf dieser Variante für uns interessant ist. Die zusätzlichen Elemente (die Karten) wurden von uns überhaupt nicht genutzt, wir haben nur die roten Punktesteine gesammelt. Eigentlich spielten wir eine Partie Gemblo, die Dany mit - 6 Punkten gewinnen konnte. Damit war unsere Frage beantwortet und wir verließen ohne neues Spiel den Stand.
Gemblo Red Stone - bei uns blieben die Karten ungenutzt
Nachdem wir an mindestens 1.000 besetzten Spieltischen vorbeikamen, fanden wir einen unbesetzten Tisch, wir hätten gewarnt sein sollen.
Das Haus Anubis ist ein ganz einfaches Lauf-/Sammelspiel zu einer gerade in Deutschland angelaufenen (Sender: Nick) und in den Benelux Staaten sehr erfolreichen Kinder TV-Sendung. Wir sind natürlich nicht die Zielgruppe, aber wir fanden das Spiel extrem langweilig. Detlef stieg bereits in der dritten Runde aus, wir anderen waren froh, dass Dany das Spiel beenden konnte. Für absolute Nichtspieler und gleichzeitig Fans der Serie mag das Spiel interessant sein, alle anderen rate ich: Finger weg.
Das Haus Anubis - nein danke
Jürgen Aden hatten wir während einer Spielereise kennen gelernt und haben seitdem häufig in Bilstein, Willingen und Oberhof zusammen gespielt. Aus diesem Grund wollten wir unbedingt das erste veröffentlichte Spiel von ihm auf der Messe spielen. Winkelzüge bei RomBol erschienen, ist ein nettes taktisches Legespiel mit schönem Material (Holz). Ziel ist es möglichst viele Ecken zu besetzen, und dabei zum Schluss mit seinem Stein als Oberster auf möglichst hohen Türmen platziert zu sein. Detlef (rote Steine) konnte das 4er Spiel mit zwei Ecken für sich entscheiden.
meine grünen Steine spielten sehr schwach
Um 16:30 hatten wir dann einen Interview-Termin mit Donald X. Vaccarino dem Autor von Dominion. Er ist sehr nett aber auch ein wenig zurückhaltend und mag sicherlich nicht den großen Rummel. In unserer kleinen 5er Runde war er jedoch nach kurzer Anfangsphase sehr gesprächig und versorgte uns mit vielen interessanten Informationen. Da mein Englisch nicht so gut ist, wird es ein wenig dauern (abschreiben des Tonbandes), bis das Interview erst in Englisch und dann später auf Deutsch auf unserer Seite erscheint.
Als letztes Spiel kam am Piatnik Stand Callisto auf den Tisch. Bei diesem Blokus Verwandten bilden Säulen den Ausgangspunkt für die eigenen Steine. Nach meiner Meinung braucht man dieses Spiel wirklich nicht, denn Blokus und auch Gemblo waren vorher da und sind für mich auch einfach besser. Tja Reiner, wird mal wieder Zeit für ein richtig gutes eigenständiges Spiel.
Danach gingen wir zu unserem Auto und verstauten noch 3-4 Spiele. Zuhause angekommen zählte ich von einem Spielbox Thread aufgeschreckt noch schnell bei den Spielen das Material nach, wo die Ersatzbeschaffung nach der Messe schwierig werden könnte. Alles komplett, der Puls ging wieder runter.
nicht alle Verwandten sollte man ins Haus lassen
Freitag:
Da ich der Meinung war, dass heute kaum Käufe erfolgen würden, und ich nach der Enge von Donnerstag keine Lust mehr auf Balanceübungen hatte, blieb der Trolley zu Hause. Um auch mal Spiele von der möglichen Kaufliste zu spielen, trafen wir uns um kurz vor 10 Uhr am AEG Stand (Alderac Entertainment Group). Bei diesem Verlag gab es mehrere Spiele, die sich interessant anhöhrten. Neben zwei Dominion Verwandten hatte Infinite City unser Interesse geweckt.
Infinite City - ein Legespiel, dem noch ein wenig Feinschliff gut getan hätte
Nach einer kurzen Erklärung begannen wir mit unserer 5er Partie (es hatte sich ein Gast dazugesellt). Infinite City ist ein Legespiel mit interessanten Ansätzen. Leider ist das Spiel sehr glückslastig und zumindestens zu fünft kaum steuerbar. Der Funke sprang nicht über, trotzdem würde ich es erneut spielen. Dany und ich konnten bei dem Städtebau einen geteilten ersten Platz erreichen. Gekauft hat es keiner von uns, auch wenn ich sicherlich am Ende der Messe 3-4 schlechtere Spiele erworben haben werde. Wir wollten am Stand zwar weitere Spiele testen, dafür war es aber zu voll.
Thunderstone - hierzu kamen wir leider nicht mehr
Mit ein wenig Glück wurde, als wir vorbeikamen, ein Tisch am DDD Stand frei. Seidenstraße ist nach zwei Kartenspielen das erste Brettspiel dieses Verlages. Durch Kartenmehrheiten und ein geschicktes bewegen der Karawanen versuchen die Spieler möglichst viele und unterschiedliche Steine zu sammeln. Das Spiel ist OK, es spielt sich gut, ist aber auch nichts besonderes. Ein weiteres Spiel, das ich ohne Kaufaktion von meiner Liste streichen konnte.
solides Spiel - da gibt es viele schlechtere Spiele
Irgendwie fanden wir keinen weiteren Tisch, so manövrierten wir uns durch Halle 4. Dort entdeckten wir eine Würfelwiese mit vielen rot gepunkteten Würfeln und der Autor uns. Da konnten wir auch nicht mehr zurück. Also auf in den “Kampf auf der Bleichwiese” (heißt wirklich so). Jeder Spieler hat eine bestimmte Anzahl Würfel und versucht diese als erste los zu werden. Bei einer 1 kommt der Würfel automatisch ganz raus, andere Zahlen (2-6) dürfen auf der Wiese liegen bleiben, solange diese Zahl noch nicht auf der Wiese liegt. Ganz einfaches Spiel, nichts für uns, aber wahrscheinlich etwas für Nichtspieler in der Kneipe => ein Bier pro übrig gebliebenem Würfel
das Spiel mit dem coolsten Namen auf der Spiel 2009
Auch das nächste Spiel könnte die selbe Zielgruppe ansprechen. Beer & Pretzels ist ein Geschicklichkeitsspiel, bei dem die Spieler versuchen möglichst viel eigenes Laugengebäck! unabgedeckt zu platzieren und dabei die gegnerischen Gebäckstücke zu verdecken. Das ist schon alles, wieder ein Spiel, was nicht in unserer Spielesammlung landet. Mitspielen würde ich es zur Not schon; zwei, drei Bier würden die Wahrscheinlichkeit erhöhen.
eine weitere Partie nur mit Alkohol
In Halle 10 ließen wir uns bei Isensee das neue Spiel “Das Labyrinth des Minotaurus”erklären. Das Spiel ist in drei Phasen geteilt: 1. Baumaterial sammeln und Punkte machen, 2. Labyrinth bauen und Punkte machen sowie 3. Schätze platzieren, einsammeln und damit Punkte machen. Das Spiel ist ganz nett, da wir aber noch zwei ungespielte Isensee Spiel im Schrank stehen haben, blieb mein Kauf aus. Positiv hervorzuheben ist die Qualität und Menge des Materials für 9,00 Euro.
Phase 1: Baumaterial besorgen
Das Highlight des Tages war für mich Tumblin Dice ein paar Stände weiter. Neben den vielen guten taktischen und strategischen Spielen ist es schön auch ein paar gute Geschicklichtsspiele in der Sammlung zu haben. Die Spieler schnippen Würfel mit dem Ziel, sie möglichst punkteträchtig auf dem Brett zu platzieren. Wir spielten auf einem kleinen Brett, daneben gibt es aber auch ein größeres Brett. Dany konnte die Partie für sich entscheiden, und wir merkten uns den Stand vor, obwohl ich dieses Spiel vor der Messe gar nicht auf dem Schirm hatte.
auf der Messe die kleine Version gespielt, aber die große (siehe Bild) gekauft
Dann trafen wir am Stand von Ghenos Games Kathrin und Peter Nos die gerade eine Partie Strada Romana beendeten. Da wir das Spiel als möglichen Kauf auf der Liste hatten, nutzten wir die Gelegenheit zum eigenen Probespiel. Kerstin gewann das Spiel mit 27 Punkten. Uns gefiel das Spiel ganz gut, trotzdem reichte es nicht für einen Kauf, dafür war es dann nicht gut genug bzw. bot nichts Besonderes. Das ist aber ein Spiel, dass ich zu einem späteren Zeitpunkt gerne noch mal ausprobieren würde, vielleicht ändert sich dann meine Meinung.
Stau im alten Rom
Das letzte Spiel am Freitag für uns war Caterpillar - Age of Tank am koreanischen “Pavillion”. Wir spielten es nur kurz an. Abgedrehte Story, hat nicht jeder und ganz interessant => Pflichtkauf.
Zusammen mit Seven Hills im Paket konnte ich noch vier Euro Rabatt aushandeln, also ein echter Schnapper. Um 18:45 hatte ich mich mit Klaus am Argentum Stand für den weiteren Abend verabredet. Bis dahin erledigten wir noch ein paar Einkäufe (z.B. das große Tumblin Dice Brett und zwei weitere Spiele aus der 20 Euro “Kollektion”von Heidelberger), die ich noch schnell zum Auto brachte. Danach trennten sich unsere Wege und ich traf mich mit Klaus am Stand.
solarbetriebene Panzer von einem koreanischen Verlag => Pflichtkauf
Mit der U-Bahn fuhren wir zum Saalbau, wo der alljährliche Spiel des Jahres Spieleabend stattfinden sollte. Nach ein paar Problemen bei der Anmeldung fanden wir dann doch Einlass. Nach und nach trafen weitere Gäste ein, bis schließlich eine sehr illustre Gesellschaft aus Verlagschefs (-mitarbeitern), Autoren, Illustratoren, der Spiel des Jahres Jury und Pressevertretern den Raum füllte. Nach einer längeren Rede und dem Essen wurde an den meisten Tischen gespielt. Da wir nicht so lange bleiben konnten, beschränkte ich mich auf interessante Gespräche. Kurz vor 22 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Parkplatz und dann zurück nach Leverkusen.
Samstag:
In den letzten zwei Jahren stand immer ein Besuch bei Japon Brand auf unserer Liste. Dieses Jahr wollten wir direkt am Samstag um 10:00 ihre Spiele ausprobieren. Leider war das für uns interessanteste Spiel Parade bereits komplett (inkl. Vorführexemplar) ausverkauft. Tja, das ist einer der Gründe, warum ich immer so viele Spiele kaufe. Die Angst etwas zu verpassen bzw. nicht mehr zu bekommen. Da war die Bestätigung für mein Kaufverhalten, wurde auch Zeit.
Wir “spurteten” durch die Hallen 4 und 6 nach Halle 9 und hatten Glück, dass am Heidelberger Stand noch ein Tisch mit Darwinci frei war.
Parade, hätte ich es mal am Donnerstag gekauft
Dieses Spiel von LudoArt war eines der letzten auf meiner Kaufliste. Das Spiel ist nicht schlecht, hat einen interessanten Versteigerungsmechanismus, bietet für den Preis sehr schönes Material und hat ein frisches unverbrauchtes Thema. Man muss es nicht unbedingt haben, aber vielleicht werde ich es mir später doch zulegen. Da ich gesundheitlich nicht voll auf der Höhe war, kam mir unser Standardprogramm für den Messesamstag sehr entgegen. Ein wenig durch die Messehallen schlendern (insb. auch durch Halle 6 und
und Leute treffen, um sich zu unterhalten.
Darwinci - vielleicht wäre es am Donnerstag ein Kauf gewesen
Natürlich waren auch dieses Jahr insbesondere in Halle 6 einige Fans von Serien und Live-Rollenspieler kostümiert unterwegs. Durch meine Besuche auf der RPC und bei Conquest of Mythodea war ich diesmal nicht so überrascht wie sonst. Trotzdem freue ich mich immer wieder, die Verkleidungen zu sehen und durch die Halle 6 mit den Ständen der Live-Rollenspieler zu schlendern. Dies gibt der Spiel ein ganz besonderes Flair, das ich nicht missen möchte. Es gibt eine junge verkleidete Frau, die immer mit einer Puppe (Abbild von ihr) auf dem Arm rumläuft. Ich sehe sie jedesmal am Donnerstag Morgen und denke immer, tja da sind wir wieder.
auch das gehört zur Spiel - Live Rollenspiel Equipment
Am Stand von Goliath fand dann unsere letzte Testpartie der Spiel 2009 statt. Rätselhefte sind ja überhaupt nicht mein Fall, bei Gitterrätsel suchen jedoch alle gemeinsam ein Wort im Buchstabendurcheinander. Mir hat es gar nicht so schlecht gefallen und ich könnte mir vorstellen, dass bei dem einen oder anderen Rätselfreund mit nicht so großer Spieleerfahrung Gitterrätsel richtig gut ankommt.
Gitterrätsel - gar nicht so schlimm wie ich vermutete
Danach schlenderten wir noch zu den verschiedenen Scout-Aktionen (Hall, BGG und Fairplay) und tätigten die letzten 2-3 Einkäufe. Um 17:00 war dann für uns beide Schluss. Wir verabschiedeten uns von Kerstin und Detlef und gingen zu unserem Auto. Wieder einmal war die Messe ein absolutes Highlight trotz des einen oder anderen Störfaktors. Im folgenden werde ich noch ein wenig über meine allgemeinen Gedanken zur Spiel schreiben und einen kleinen persönlichen Blick zur Spiel 2010 werfen.
noch ein letzter Blick
Heidelberger und andere:
Neben der bereits aus dem letzten Jahr bekannten “Resterampe” in Halle 9 gab es diesmal wegen des 20jährigen Geburtstages von Heidelberger einen zusätzlichen Bereich mit 20 Euro Angeboten. Bei diesem Thema habe ich persönlich zwei Blickwinkel. Natürlich habe ich als Spieler und Käufer zugeschlagen und mich sehr gefreut. So habe ich für 20 Euro Spiele gekauft, die entweder ganz neu waren und deswegen für diesen Preis einen Super Schnapper darstellten (Steam und Rise of Empires), oder aber Spiele, die ich nur aufgrund des günstigen Preises gekauft habe (Marvel Heroes und Runebound Second Edition). Auch an der “Resterampe” konnte ich nicht nein sagen (für je 7,50 Euro: Herr der Ringe - Schlachtfelder und Dolmengötter).
Insbesondere die Angebote in der 20 Euro Ecke (eigentlich eine Gerade
) waren teilweise außergewöhnlich: neben Steam und Rise of Empires z.B. auch Agricola, Kingsburg und Tannhäuser. Aber wenn ich das jetzt aus dem anderen Blickwinkel (Spielebranche im allgemeinen) betrachte, ist bei mir schon ein gewisses Störgefühl vorhanden. Natürlich sind die Käufer begeistert, aber wer will dann noch Spiele zum Normalpreis kaufen, und wie verärgert sind die Leute, die diese Spiele kurz vorher (insbesondere bei Neuheiten) für 40 oder mehr Euro gekauft haben. Die anderen Händler auf der Messe waren sicherlich auch nicht begeistert. Wie fühlt sich ein Verlag, der ein Spiel von 2008 noch selber als Neuheit vorstellt und es wird bei Heidelberger auf der Resterampe für 5 oder 7,50 Euro (Preis weiss ich nicht mehr genau, den Namen des Spiels nenne ich extra nicht) verramscht.
Entweder weiss der Verlag über die Angebote seiner Spiele Bescheid, und kann oder will nichts dagegen tun, oder aber es wird nicht mit dem Verlag abgesprochen. Bei Sutter’s Mill lief es auch für den einen oder anderen Käufer blöd. Dieses Spiel wurde erst für 20 Euro angeboten, um dann am Samstag auf der “Resterampe” für 10 Euro angeboten zu werden. Vielleicht hat aber auch keiner das Spiel für 20 Euro gekauft, denn zu diesem Preis schien es ja kein Renner zu sein. Für 2010 ist abzuwarten, ob diese Super 20 Euro Aktion nur ein Geburtstags Highlight bleibt, oder aber Heidelberger an dem sicherlich erfolgreichen Verkauf Geschmack gefunden hat.
Jedenfalls gibt es bei mir schon jetzt bei dem einen oder anderen Spiel den Gedanken, hm das bekomme ich im nächsten Jahr zum halben Preis. Sollten die Angebote (nicht nur bei Heidelberger in diesem Jahr) immer zahlreicher und der Abstand zum Erscheinungstermin immer kürzer werden, könnte das bei mir und vielen anderen Käufern zu einer verstärkten Schnäppchen-Mentalität wie in anderen Wirtschaftsbereichen führen. Denn auch ich bin nur ein Mensch, der Kauf-Verführungen nicht permanent widerstehen kann.
Dies würde jedoch das Bestreben, Spiele als Kulturgut zu etablieren, untergraben, da es die Spiele zu Dingen degradieren würde, bei denen es nur noch auf den Preis ankommt.
Kuschelig 2009:
Ein wenig hatte ich das Gefühl, dass dies das heimliche Motto der Spiel 2009 war. Gerade am Donnerstag aber auch an den anderen Tagen (Fr. und Sa.) war es an vielen Stellen (insbesondere Hallen 9-12 und 5) extrem eng und es ging teilweise nicht mehr weiter. Dieses Jahr gab es wieder einen Aussteller-Rekord und auch die Besucherzahlen waren sehr hoch. Da stellt sich natürlich die Frage, inwieweit 2010 hier vielleicht ein wenig für Entspannung gesorgt werden kann. Auch im nächsten Jahr sind wieder in NRW Herbstferien, somit wird es das Problem wieder geben.
manchmal war es (fast) zu voll
Eine weitere Halle mit Entzerrung der anderen Hallen und ggf. weiteren Spielmöglichkeiten wären sicherlich sehr erfreulich. Ob dies finanziell und organisatorisch möglich ist, bzw. überhaupt im Interesse der verantwortlichen Messeveranstalter liegt, kann natürlich nur von ihnen beantwortet werden. I have a dream … , in 5 Jahren findet die Spiel in allen Messehallen statt, dauert 1,5 Wochen und ich habe im Lotto gewonnen und fahre mit einem Transporter hin.
Erklärbären:
Diesmal kann ich über die Qualität nicht soviel sagen, da wir gerade bei den großen Verlagen nichts getestet haben. Bei unseren Testspielen war die gesamte Bandbreite vertreten, von einem gut z.B. bei Strada Romana und Seidenstrasse bis zu einem hat sie die Regel schon mal gelesen? bei Peeper am koreanischen Stand. Was mich nur wirklich gewundert hat, war der Amigo Stand. Am Donnerstag vor Öffnung der Tore kam ich gerade bei der Einschwörung der Erklärbären bei Amigo vorbei. Nun ja Bären sah ich keine, ich hatte eher das Gefühl, das hier eine Veranstaltung für Nachwuchsmodels stattfand. (Wie ich gerade aus einem Kommentar erfahren habe, waren die hübschen Frauen in der Mehrzahl für die CCG Tische eingeteilt, bei den klassischen Brettspielen gab es die ganz “normalen” Erklärbären).
am Amigo Stand nur hübsche junge Frauen
Es ist wahrscheinllich ein Vorurteil, mich würde es aber wundern, wenn mehr als 30% von den jungen Frauen gerne freiwillig an Karten- und Brettspielen in der Freizeit teilnehmen. Ich wußte gar nicht, dass unsere Branche soviele Gemeinsamkeiten mit der Autoindustrie hat. Nicht das sich im nächsten Jahr halbnackte Messebabes auf überdimensionalen Spieleschachteln räkeln.
Mir persönlich wäre es lieber, wenn die Verlage, wie auch bisher, ihre Mitarbeiter nach der Fähigkeit, Spiele zu erklären, aussuchen würden. Dann habe ich auch nichts dagegen, wenn der eine oder andere wirklich wie ein Bär aussieht.
Reiner Knizia:
Schon in den letzten Jahren war der Name dieses Autors bei vielen Verlagen in der Neuheitenliste zu finden. Selber gespielt auf der Messe 2009 habe ich nur den Blokus Verwandten bei Piatnik. Richtig überrascht war ich jedoch, als ich seinen Namen zusammen mit Peter Burley auf der neuesten Take it easy Variante Take it Higher! entdeckte. Wie läuft das eigentlich ab? Meldet sich Herr Knizia, Peter ich hab da was für dich oder fragt Herr Burley bei Herrn Knizia an, ich habe noch gar kein Knizia bei mir im Verlagsprogramm. Da wird es wohl mal Zeit für ein Interview. Vielleicht kann ich ihm dann auch entlocken, wann er mal wieder einen richtigen Knaller in der Gewichtsklasse von Samurai, Euphrat und Tigris oder Einfach Genial herausbringt.
Reiner Knizia als Co-Autor
Meine Ziele 2009 und 2010:
Wie vielleicht der eine oder andere gelesen hat (hier) , gab es bei mir in den letzten Wochen eine Zielentwicklung, bei der zum Schluss nach Beendigung meines Beitrages eine sehr “maßvolle” Zielsetzung heraus kam. Es kann ja nicht so schwierig sein unter der letztjährigen Zahl zu bleiben (59 Spiele und Erweiterungen). Leider hatte ich nicht mit den Angeboten (z.B. Heidelberger) auf der einen und den geringen Testmöglichkeiten (volle Hallen plus wenig Geduld = selber Schuld) auf der anderen Seite gerechnet. Kurze Rede langer Sinn mit 62 habe ich mein Ziel nur knapp nicht geschafft. Da kann ich eigentlich mit mir zufrieden sein.
das berühmte Gästebett - jetzt wieder voll …
Für das nächste Jahr habe ich mir vorgenommen mehr zu testen, wirklich nur Klein- und Auslandsverlage zu betrachten und insgesamt weniger Spiele zu kaufen. Das klappt diesmal bestimmt. Darüber hinaus würde ich gerne weitere Gespräche und Treffen mit den vielen netten Menschen in der Spieleszene wahrnehmen, dazu müsste ich jedoch auch den Sonntag fahren, da ich mich sonst bei anderen Aktivitäten auf der Messe einschränken müsste. Das wichtigste Ziel aber bleibt gesund zu bleiben, um die Messe wirklich genießen zu können.
Deshalb wünsche ich allen Lesern bis zur nächsten Spiel Gesundheit und viel Spass bei Euren Spieleaktivitäten.






























30.10.2009 bei 18:51
Hallo Thomas,

Danke, das war wieder ein sehr lesenswerter Bericht.
Das ist sicher sehr spannend, wenn man am Mittwoch diese ganze Messewelt vor sich langsam entstehen sieht. Tumblin Dice muss ich mir wohl auf der nächsten Messe auch mal anschauen. Und verflixt, da habe ich wohl glatt den Essen-2009-Geheimtipp “Kampf auf der Bleichwiese” verpasst
Es war schön, zwischen den ganzen Menschenmassen immer wieder Eure vertrauten Gesichter zu sehen
Bis Willingen
Gruß
Fabian
31.10.2009 bei 12:34
Hallo
Ein schöner Bericht und komischerweise hatte ich einige Gedankengänge in der gleichen Weise.
Bei der “Resterampe” fühlte ich mich an DVDs erinnert, die kurz nach Erscheinen schon für 10€ bei Saturn rausgehauen werden. Auch wenn ich gerne Geld spare, hoffe ich, dass wir nicht die gleiche Entwicklung bei Spielen haben werden.
Wenn man mal bei Amigo genauer hingesehen hat, dann stellte man fest, dass die “Messebabes” nur an den CCG Tischen waren. Bei den “normalen” Spielen erklärten auch Leute, die durchschnittlich aussehen. Das könnte mit der Zielgruppe der CCGs zu tun haben. Aber nichts gegen die Mädels, die tun mir jedes Jahr leid. Jedes Jahr spielen da pubertäre Jungs an den Tischen, die die Spielregeln ganz genau kennen aber so tun als hätten sie keine Ahnung.
Das Haus Anubis haben wir bewusst ausgelassen. Dafür haben wir uns Raumpiraten gegeben, weil wir uns nach der Lauferrei mal setzen wollten. Wir haben bis zum Spielende durchgehalten, der Nachbartisch hat in der gleichen Zeit drei Spielrunden gesehen, weil die Leute schon vor dem Ende geflohen sind.